Giraffenprojekt im Kindergarten


Inhalte & Methoden


Wir lernen ...

 

  • unsere Gefühle kennen und warum es überhaupt Gefühle gibt, was sie uns sagen wollen

  • unsere Bedürfnisse kennen - was wir alle brauchen um glücklich und gesund zu sein

  • den Unterschied zwischen Herzenswunsch (Bedürfnis - zB. Sicherheit) und Kopfwunsch (Strategie - zB. ein neues Fahrrad)

  • zwischen Wolfs- und Giraffensprache zu unterscheiden, und wie sich die Art miteinander umzugehen auf unsere Freundschaften und unser Zufriedensein auswirkt

  • den Wolf in uns zu verstehen, genau hinzuhören, und seine Sprache schließlich in Bedürfnisse zu übersetzen

  • den Unterschied zwischen einer echten Beobachtung (Was wir sehen und hören können) und einer Kopfgeschichte kennen (Was wir uns denken, zusammenreimen)

  • konstruktive Bitten zu formulieren

  • uns mit den 4 Herzensschlüsseln auszudrücken: Was wir gesehen/ gehört haben, wie wir uns jetzt fühlen, was wir gerade brauchen und was wir jetzt tun oder bitten wollen. Für Klarheit, Verbindung , Wertschätzung.

  • Spielerisches Erarbeiten der Gewaltfreien Kommunikation mit Hilfe von Bildmaterial (Gefühle, Bedürfnisse…) und Handpuppen (Giraffe und Wolf).

    Hauptphase des Projektes:  5 Schwerpunkt-Sesselkreise (einer pro Woche), wo die 4 Schritte und der Wolf durch Spiele, Gespräche und Handpuppenspiel genau kennengelernt und erfahren werden

  • Kinder werden ermutigt, selbst Konflikte zu lösen, Erwachsene helfen nur  beim Übersetzen“ von „Wolfs- in Giraffensprache“.

Giraffe & Wolf - Symbole für verbindende & trennende Sprache


  • Die Giraffe wird als Symbol für die verbindende, wertschätzende Sprache (Gewaltfreie Kommunikation) verwendet.
    Als Landtier mit dem größten Herzen kann sie sich gut in andere einfühlen und mit ihrem langen Hals behält sie den Überblick und Weitblick über Situationen. 
    Sie hört mit dem Herzen und spricht in Gefühlen und Bedürfnissen.
    "Du bist okay, ich bin okay."

  • Der Wolf ist das Symbol für trennende Sprache.
    Er erlebt sein Gegenüber als Bedrohung, vor der er sich durch Knurren oder Angriff schützen muss. Er denkt er selber oder der andere sei falsch, schuld und droht, erpresst, kritisiert andere.

  • Durch beide Symboltiere drücken wir unsere Bedürfnisse aus. Es geht hier um Bewusstmachen der eigenen inneren Haltung, aus der heraus wir mit anderen in Kontakt gehen, keineswegs um ein "Richtig" oder "Falsch". Jeder Mensch trägt beide Anteile in sich.

Bildquelle: YouthStart - Entrepreneurial Challenges, Empathy Challenge

Gruppenregeln - auf der Basis von gegenseitigem Respekt


  • Gruppenregeln basieren auf persönlichen (individuellen) Grenzen und Bedürfnissen statt auf „Man darf nicht…“. 
  • Wir erarbeiten die Gruppenregeln GEMEINSAM:
    "Was brauchen wir, damit es uns allen gut geht?"
  • Basis der Gruppenregeln: Giraffen-Schatzkiste + Bedürfnisuhr

  • Selbstverantwortung: Ich sage wie es mir geht und was ich brauche und bitte konkret um das, was ich möchte
  • Wir sind ein Team: Wir nehmen alle Bedürfnisse ernst und unterstützen uns gegenseitig bei deren Erfüllung
  • Wir suchen immer nach Wegen, die sich für alle gut anfühlen
  • Es gibt kein "NEIN!", sondern immer "Nein, weil ich gerade ... brauche!" (Bedürfnis)

Verwendete Materialien


Während des ganzen Kindergartenjahres stehen den Kindern die Materialien zur Verfügung. 

Von mir verwendete Materialien (siehe HIER):

 

Nach dem Giraffenprojekt - Was sich verändert hat


 

Folgende Veränderungen konnten wir bei den einzelnen Kindern und in der Kindergruppe durch das Giraffenprojekt sehen:

  • Jedes Kind hatte einen deutlichen Entwicklungsschritt gemacht - Richtung Selbstbewusstsein, innere Stärke, Mut sich mitzuteilen, Bereitschaft auch andere zu hören.
  • Die Gruppengemeinschaft war nachher sehr stark, jeder schien sich für die anderen mitverantwortlich zu fühlen. Die Rücksichtnahme war deutlich größer. 
    Die Kinder erlebten sich sichtbar und spürbar als ein großes Team, das zusammengehört und wo jeder einzelne wichtig ist.
  • Unklares Bedürfnis-Formulieren wie  "Ich hab Durst!" wurde umgelernt, die Kinder konnten nachher klare Bitten formulieren ("Kannst du mir bitte Wasser einfüllen?")
  • Die Großen halfen wie selbstverständlich den Kleinen, die Kleinen baten die Großen um Hilfe (statt immer gleich zu uns zu kommen).
  • Wo es zu Beginn oft bereits zwischen 2 oder 3 Kindern zu Konflikten in den Spielbereichen kam, waren nach dem Projekt oft 8 Kinder in einem Bereich und schafften es, gemeinsame Wege zu finden.

  • Was mir am eindrucksvollsten auffiel war, dass jedes einzelne Kind seinen besonderen Platz einzunehmen schien - und als diese Person (mit den besonderen Stärken und Schwächen) gewürdigt wurde.

 

 

Alltagssituationen nach dem GFK-Projekt (3 Beispiele):

 

 

Situation im Turnsaal:

 

Während ich für die Kinder das Klettergerüst umbaue, stößt mir S. (4,5 Jahre) unabsichtlich fest auf meinen Kopf. Ich erschrecke  und reagiere im Affekt: „AUA,  kannst du nicht aufpassen? Geh jetzt weg da!“

Ca. eine Stunde später, bereits zurück im Gruppenraum, kommt sie zu mir:

„Conny, du warst wie der Wolf, wie ich dir im Turnsaal auf den Kopf gehaut hab. Da war ich traurig. Da wein ich jetzt auch fast. Da hätt ich mir gewünscht, dass du gesagt hättest „ Bitte S., kannst du weggehen.“

 

  

Situation in der Früh:

 

P. (knappe 5 Jahre) weinte täglich (über mehrere Monate), wenn er in den Kindergarten gebracht wurde („Neeeeiiiin, ich will nicht in den Kindergarten!!!“), auch an diesem Tag. Wenn wir ihn fragten, was los sei, brüllte er nur weiter und war nicht zugänglich.

Ich bot ihm nun erstmals die „Schatzkiste“ an und ließ ihn selber aussuchen, wie er sich gerade fühlt und was er braucht. Er suchte die Symbole heraus, legte sie auf, und erzählte mir:

„Wenn ich in der Früh komm, bin ich zornig. Ich will dann wissen, dass ich eh stark bin. ….Hhmmm, ich bin jetzt nachdenklich wie das geht. ….. Conny, du sollst mit der Mama und dem Papa reden und ihnen das sagen. Und ich denk auch noch nach. …..“

 (10 min später):

„Jetzt ist mir was eingefallen: Ich leg mich auf die Bank, dann geht’s mir besser. Das ist mir jetzt eingefallen. Das mach ich jetzt immer in der Früh. Und dann geh ich mit den anderen ein schwieriges Puzzle spielen.“

Ab dem nächsten Tag kam P.  grinsend bei der Tür herein, holte sich aber immer zuerst die „Schatzkiste“, meiner Meinung nach um sich wieder mit seinen Bedürfnissen zu verbinden.

 

 

 

Situation am Wochenende:

 

Die Oma eines Kindes erzählt mir, dass sie am Wochenende mit der Familie wandern waren. Als S. (4,5 Jahre) ihre Jacke trotz Anweisung ihrer Oma nicht anziehen wollte, schimpfte diese und sprach dann eine Zeit lang nicht mehr mit ihrer Enkelin, weil sie sich ärgerte.

Nach einiger Zeit lief S. zu ihrer Oma hin und sagte: „Oma, machst du dir Sorgen um mich?“

Als die Frau überrascht reagierte, sagte S. freundlich: „Du brauchst dir um mich keine Sorgen machen, Oma, ich weiß schon selber, wann mir kalt ist.“

 

 

Was sagen die Kinder dazu?  Kinderinterview nach 2 Jahren Giraffenprojekt


Download
Kinder-Interview2016_Giraffenprojekt.pdf
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Das Interview wurde im Sommer 2016 durchgeführt, nachdem die Gruppe 2 Jahre lang mit der Basis der Gewaltfreien Kommunikation geführt worden war.

Die Kinder - im Alter von 3 bis 6 Jahren -  wurden einzeln befragt.